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Wir stehen in einem ständigen Spannungsfeld, wenn es um Musik und im Besonderen um das Musizieren geht.
Auf der einen Seite haben wir die Technik, um das Instrument zu spielen. Noten, die Längen und Höhen aufweisen und Interpretationsvorgaben, die sich an Gelerntem und Geschichtlichem orientieren.
Auf der anderen Seite stehen wir als Mensch, individuell mit unserer Persönlichkeit und unseren Gefühlen.
Oft bringen wir die verschiedenen Seiten nicht zusammen. Dies beschert uns allerlei Probleme. Angefangen von Verständnisproblemen mancher Musikpassagen bis hin zu einer inneren und musikalischen Leere. Auch technische Aspekte können Teil dieser Probleme sein.
Die Integrative Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey® nutzt die Erfahrungen, die der Musiker in seinem Leben gemacht hat, als Ressource. Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit und Vergangenheit. Gemeinsam in dieser Individualität ist uns, dass wir auf der Basis unserer Persönlichkeit und Vergangenheit reagieren, sei es bei alltäglichen Abläufen oder beim Musikspiel. Es sind unsere Verhaltensmuster, die jeweils eine emotionale Komplexität beinhalten. Diese emotionale Komplexität ist die Ressource, die sich die Integrative Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey® zunutze macht.
Dabei steht „integrativ“ sowohl für die Integration der Musik, mit all ihren Aussagen, als auch für die Integration des eigenen Ichs in der Musik, und hier im Besonderen im Musikspiel.
Musikwahrnehmung bedeutet, dass wir etwas als Musik wahrnehmen. Wahr im Sinn von „so ist es“.
Nehmen im Sinn von „annehmen“, „zu uns nehmen“, bis hin zu „integrieren“.
Nach diesen Überlegungen gibt es auch die andere Richtung der „Musikwahr-Gebung“, auch wenn wir das Wort Wahr-Gebung in Deutsch nicht haben. Denn das „so ist es“, „so bin ich“, „so empfinde ich“, muss der Musiker in das Musikspiel eingeben, damit auch auf der Seite des Zuhörers (was der Musiker auch selbst ist) die entsprechende Musikwahrnehmung stattfinden kann.
Eugene T. Gendlin hat den Begriff des „felt sense“ (in etwa: den gefühlten Sinn, die leiblich gespürte Wahr-Nehmung) geprägt. Er schreibt: „Ein ‚felt sense“ ist die körperliche Wahrnehmung eines bestimmten Problems oder Situation. … Ein „felt sense“ ist keine Emotion. … Er ist die körperlich gespürte Bedeutung. Ein „felt sense“ ist keine geistige, sondern eine physische Erfahrung, ein körperliches Wahrnehmen einer Situation, einer Person oder eines Ereignisses. Eine innere Aura, die alles umgibt, was Sie zu einem bestimmten Gegenstand zu einer bestimmten Zeit fühlen und wissen – sie umgibt es und teilt es ihnen mit, nicht eines nach dem anderen, sondern alles auf einmal. … Ein „felt sense“ tritt nicht in Form von Worten oder Gedanken oder anderen getrennten Einheiten auf, sondern als umfassendes (wenn auch oft verwirrendes und komplexes) körperliches Gefühl. Da sich ein „felt sense“ nicht in Worten mitteilt, lässt er sich auch nicht leicht in Worte fassen. Es ist eine unbekannte, tief liegende Ebene des Bewusstseins …
(aus: Gendlin, E. T. (1985) Focusing. Technik der Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme, Salzburg: Müller. S. 21, 41-42, 149)
Sie kennen dieses Gefühl bestimmt, sowohl bei der Musik als auch bei anderen Situationen. Bei der Musik ist es häufig so, dass man das Gefühl hat, dass da etwas nicht ganz stimmig ist. Als Zuhörer findet man das Musikspiel „seelenlos“.
Als Musiker hat man innere Blockierungen gegenüber manchen Passagen, zu denen sich „irgendwie“ kein Zugang herstellen lässt. Dabei ist es häufig so, dass es, wie bei Coués Gesetz der gegenteiligen Wirkung, um so weniger geht, um so mehr man es will. Sowohl im Verständnis als auch in der Technik.
Zuhörer wie auch Musiker sprechen dann häufig davon, dass sie einfach keinen Zugang zu dieser Musik haben.
Die integrative Musikwahrnehmung geht davon aus, dass der Zugang sehr wohl vorhanden ist, er aber lediglich bisher nicht geöffnet werden konnte. Hierfür wird mit dem Musiker an seinen Vorstellungen, vor allem während des Musizierens, gearbeitet. Jene Vorstellungen die sich über das Musizieren erst einmal als „felt sense“ zeigen, und sich dann immer mehr konkretisieren lassen.
Durch die Musik werden Gefühlskonstellationen angesprochen, die haargenau zu einer bestimmten inneren Konstellation des Musikers passen. Vorstellungen und Gefühle, die sich oft als Bilder oder Szenen von Situationen darstellen.
Interessanterweise ist es auch häufig so, dass Aussagen der Musik zutage treten, die man der Musik bisher nie zugeschrieben hätte. Manche Stelle, bei der man zuvor gedacht hat „warum hat der Komponist denn das so komponiert – das passt ja überhaupt nicht“, wird zu einer zentralen Aussage des Stücks. Es ist selbsterklärend, dass solche Stellen dann auch technisch wesentlich einfacher zu spielen sind.
Die Technik und Kontrolle über das Instrument gehen dabei nicht verloren. Sie sind Voraussetzungen, um sich den Aussagen der Komposition und den eigenen Referenzen widmen zu können. Denn die Bewegungsabläufe beim Musikspiel sind so komplex, dass sie meist nur indirekt beeinflusst werden können.
Das Musizieren kann man in drei große Phasen einteilen.
Es beginnt mit den Gedanken und entsprechenden Emotionen, die für das Musikspiel notwendig sind, wie z.B. Vorstellungen zur Musik und der Technik.
Die zweite Phase ist die Ausführung, das Musikspiel. Diese Phase zeichnet sich vor allem durch Mikrobewegungen aus, die über das Instrument eine verstärkte Auswirkung auf das Klangresultat haben.
Als dritte Phase kann man das Hören des Resultats bezeichnen, welches wieder Auswirkungen auf die Gedanken hat. Man kann diese Phase auch als Kontrollphase bezeichnen, weil sie Auskunft darüber gibt, in wieweit das innere Bild der Musik mit dem Resultat des Gespielten übereinstimmt. Fast immer entspricht das gehörte Resultat dabei nicht ganz dem inneren Bild. Dies kann sowohl am unpassenden inneren Bild als auch an der Ausführung liegen. Diese Diskrepanz führt zu einer Beeinflussung der Gedanken und Gefühle, die über die Ausführung (dem Musikspiel) wieder zu einem veränderten Resultat führen.
Der besondere Moment, das Spontanerlebnis des Eins-Seins mit der Musik tritt ein, wenn der Kreislauf der eben erwähnten drei Phasen aufgehoben wird. Dies ist dann der Fall, wenn die Phase drei, das Hören, keine neuen Gedanken und Gefühle mehr anregt, weil es genau der Innenwelt des Musikers entspricht. Es gibt dem Musiker das Gefühl, als ob er sich selbst findet. Auch der Zuhörer merkt intuitiv, dass jetzt alles zusammenpasst. Die unterschiedlichen Aussagen zwischen Musikstück, Musiker und seinem Musikspiel sind aufgehoben – alles ist eins.
Es ist ein Prozess, den die meisten Musiker bereits erfahren haben, jedoch keine bewusste Methode kennen, um dies immer wieder herbeizuführen. Auch fehlt in der Eigenarbeit, beim Üben allein, der Beobachter. Er kann über die Resonanz, die das Musikspiel bei ihm auslöst, erkennen, wo es noch zum Eins-Sein des Musikers mit dem Musikstück und seinem Musikspiel fehlt.
Das Beobachten kann man fast als innere Leinwand bezeichnen, auf der man erkennt, ob bei dem inneren Film z.B. der Ton nicht ganz zum Bild passt, oder der Film zu schnell oder zu langsam abläuft.
Nach mehreren Erlebnissen mit einem Beobachter kann man sehr gut lernen, es auch selbst zu spüren und zu erkennen, wie man sich dem Eins-Sein mit der Musik nähern, und es erreichen kann.
Die Integrative Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey® wird in Einzelstunden angeboten. Um den Kreislauf der drei Phasen möglichst oft wiederholen zu können, wird meist nur an einer relativ kurzen Passage eines Musikstücks gearbeitet. Diese Arbeit läuft so ab, dass Sie als Musiker die Passage immer wieder spielen, und wir uns im gegenseitigen Austausch immer mehr Ihrem Eins-Sein mit der Musik, die Sie spielen, nähern. Dabei geht es hauptsächlich um Ihre Beobachtung dessen, was währen Ihrem Musikspiel in Ihnen abläuft – was Sie denken, wie Sie sich fühlen, Ihrem „felt sense“ – und Ihrem Erkennen, was noch zum Eins-Sein mit der Musik fehlt.
Ich stelle Ihnen hierzu zwischen den Wiederholungen Fragen und geben Anregungen, damit sie aus den komplexen Eindrücken und Informationen Ihres Inneren den Weg zum Eins-Sein mit der Musik finden.
Die Integrative Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey® ist auch eine Methode, die sich für Ensembles eignet. Hier wird die Arbeit dahingehend ausgedehnt, dass man nicht nur das Eins-Seins mit der Musik als Musiker findet, sondern als ganzes Ensemble. Mehrere Schritte sind hierzu nötig, um zu diesem Resultat zu gelangen. Dies sind z.B. die Definition, welchen Part man mit der eigenen Stimme spielt, oder die Zusammenführung der verschiedenen Vorstellungen der Ensemblemitglieder zu einer einheitlichen Ensemblevorstellung.
Leicht ist man dazu geneigt, diese Vorstellungen, ob als alleine spielender Musiker, oder als Ensemble, als Interpretation des Musikstücks zu sehen. Es gibt aber die gegensätzliche Herangehensweise. Eine Interpretation beruht auf richtig und falsch, und die Gefühle werden vom Musiker in die Musik gegeben.
Bei der Integrativen Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey® werden sowohl die Interpretation als auch die Gefühle durch das Erleben der Musik, in Kombination mit der eigenen Person und Persönlichkeit, beeinflusst, angeregt und vorgegeben. Meist erübrigen sich Fragen wie „soll man das so oder so spielen“ durch die Eindeutigkeit der Erfahrung.
Weitere Informationen erhalten Sie auch im Buch/Hörbuch zur Integrativen Musikwahrnehmung nach Gregor Peters-Rey®.
Lassen
Sie sich hinführen, zum Spontanerlebnis des Eins-Seins mit der
Musik, die Sie spielen! Gerne mache ich mit Ihnen einen Termin aus.
Je nachdem kann dieser Termin in Bernstadt, in Günzburg oder für
das Instrument Orgel in Ulm stattfinden. Eine Stunde (60 Minuten)
kostet 60,- €.
Bereits nach unserem ersten Treffen werden Sie feststellen, was Ihnen diese Methode bringt.
Ich freue mich auf Sie!
Gregor Peters
Weitere Informationen über mich, finden Sie hier. Interessante Artikel von mir, in meinem Blog, und Termine hier.